Jahresrückblick 2020

Überschwemmungen, Heuschreckenplage und Corona-Pandemie – Kenia hatte in diesem Jahr mit schweren Herausforderungen zu kämpfen. Bereits Ende 2019 hatten sintflutartige Regenfälle in Kenia Überschwemmungen und Erdrutsche ausgelöst, mehrere Todesopfer gefordert und große Teile der Ernte vernichtet. Doch nicht genug: die tropische Feuchtigkeit bot den Wüstenheuschrecken optimale Brutbedingungen; so kam es im Januar 2020 zur schlimmsten Heuschreckenplage seit 70 Jahren! Schwärme von hunderten Millionen Insekten fraßen innerhalb kurzer Zeit große Teile Nordkenias komplett kahl. 

Und dann kam Corona: Mitte März wurde der erste Fall in Kenia entdeckt. Im Wissen, dass das kenianische Gesundheitssystem keiner Pandemie standhalten würde, verhing die Regierung kurzerhand praktisch einen Total-Lockdown: Schulen und Gewerbe wurden geschlossen, der öffentliche Verkehr kam zum Erliegen, viele Menschen verloren ihre Lebensgrundlage und standen bei einem fehlenden Sozialsystem buchstäblich von heute auf morgen vor dem Nichts. 

Schulen geschlossen

In einem Entwicklungsland wie Kenia übernimmt die Schule weit mehr als Bildungsaufgaben: Viele Kinder erhalten dort ihre Hauptmahlzeit; aber auch Impf- und Gesundheitskampagnen werden über die Schulen organisiert – und vielen Mädchen bieten die Schulen Schutz vor sexuellen Übergriffen. Seit März sind die Schulen Kenias geschlossen – wenige private Einrichtungen bieten zwar Fernunterricht an, für den Großteil der Kinder ist der Unterricht jedoch ersatzlos gestrichen. Versäumten Stoff nachholen? An den staatlichen Schulen wenig realistisch. 

Teenager schwanger

Denn viele Eltern haben ihre Kinder aufs Land geschickt: statt Mathe lernen arbeiten sie nun auf dem Feld mit. Insbesondere Mädchen sind so vermehrt Übergriffen ausgesetzt. Hilfsorganisationen haben einen dramatischen Anstieg an Teenagerschwangerschaften verzeichnet. 

Noch mehr Armut

Der mit dem Lockdown verbundene wirtschaftliche Abschwung zwingt immer mehr Eltern, ihre Kinder zum Geldverdienen statt in die Schule zu schicken. Auch für die meisten der schwangeren Teenager wird eine Rückkehr auf die Schulbank unmöglich sein; zwar haben sie das Virus überlebt, drohen aber in dauerhafter Armut gefangen zu bleiben. Umso mehr wird das NEST zu einer Anlaufstelle für sie, hier wird Ihnen ein Weg in eine selbstständige Zukunft ermöglicht. 

Corona im NEST

Auch das NEST-Kinderheim musste im März seine Tore schließen. Rasch wurden Lebensmittel auf Vorrat eingekauft, ein Hygienekonzept erstellt und ein neuer „Alltag“ für Kinder und Mitarbeitende organisiert. Leider erschwerte der Lockdown auch die Arbeit unserer Sozialarbeiterinnen in den Slums und im Gefängnis, zudem gerieten viele unserer bereits reintegrierten, selbstständigen Frauen in Not. Für sie organisierte das NEST kurzerhand ein „Feeding-Programm“, das sie mit dem Nötigsten versorgt. 

Sie sehen: trotz allem …

… konnte das NEST auch im Jahr 2020 Kindern Geborgenheit und Müttern Wege in eine selbstständige Zukunft bieten. Diese Hilfe ist durch das Engagement vieler Freunde und Unterstützer der Polarlysstiftung möglich – durch Sie und Euch! So möchten wir uns auch in diesem Jahr wieder im Namen der Mütter und Kinder sowie aller Mitarbeitenden im Projekt „The Nest“ von ganzem Herzen bei Euch bedanken!

Wir wünschen Euch eine frohe Adventszeit, besinnliche Weihnachten sowie Gesundheit und Frieden im Neuen Jahr.

Eure

Dr. Bettina Eschler  
(Vorstandsvorsitzende)                                      

 

 

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"Den Kindern gehört die Zukunft,
 aber nur wenn wir Ihnen auch
 eine Zukunft schenken!"

Heinrich M. Korte