Newsletter vom September 2020

Lockdown – dramatische Folgen für Kenia 

Ein halbes Jahr ist vergangen, seit in Kenia der Lockdown verhängt wurde. Die Folgen für die Bevölkerung waren dramatisch: Nairobi wurde zeitweise zum Sperrgebiet erklärt – Reisen aufs Land und zur Arbeit waren damit fast unmöglich. Die Schließung der Flughäfen brachte Tourismus und Export zum Erliegen; zahllose Menschen verloren innert Tagen ihre Existenzgrundlage und standen bei einem fehlenden Sozialsystem buchstäblich mit leeren Händen da: sie konnten ihre Miete nicht mehr zahlen, mussten ihr Kleingewerbe schließen und wissen bis heute nicht, wovon sie Essen für sich und ihre Familien kaufen sollen. Viele sind obdachlos. Dazu kommt nasskaltes Wetter – in Kenia beginnt gerade die Regenzeit.

Angst vor dem Virus
Bis Mitte September gab es laut dem Gesundheitsministerium in Kenia 35.460 bestätigte Corona-Infizierte und 607 Todesfälle – bei einer Einwohnerzahl von 52 Millionen eine relativ geringe Infektionsrate. Jedoch ist die Angst vor der Ausbreitung des Virus immens, denn das marode kenianische Gesundheitssystem wäre einer größeren Patientenzahl in keinster Weise gewachsen.

Schulen schließen ein ganzes Jahr
Während in Deutschland die Schulen wieder geöffnet haben und man darüber nachdenkt, wie man versäumten Stoff nachholen kann, hat die kenianische Regierung rigoros alle Schulen für das komplette Schuljahr 2020/21 geschlossen! Nur die allerwenigsten Schulen bieten Online-Unterricht an, aber wer hat schon einen PC zuhause? Die meisten Schülerinnen und Schüler können den versäumten Stoff nicht nachholen; Schulabgänger stehen nun ohne Abschluss da. Eltern, die durch die Pandemie arbeitslos wurden, können für ihre Kindern oft kein weiteres Jahr Schulgeld zahlen. 

Sexueller Missbrauch und Teenagerschwangerschaften steigen
Insbesondere während der ersten Monate des Lockdown kam es zu einem dramatischen Anstieg des Kindesmissbrauchs. Durch die Schulschließungen verloren viele Kinder ihren geschützten Rahmen, waren unbeaufsichtigt zuhause oder wurden zu Verwandten aufs Land geschickt; dort konnten die Täter ungestört vorgehen. Tausende dieser Mädchen sind jünger als 14 Jahre. Durch ihre Schwangerschaft verlieren sie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Oft werden sie sozial ausgegrenzt, gelten teilweise als „dreckig“ und können meist nicht zur Schule zurückkehren. Das NEST ist eine der wenigen Institutionen in Kenia, wo diese Menschen nachhaltig Hilfe finden!

NEST organisiert ein Ernährungsprogramm
Auch viele unserer „ehemaligen“ Mütter haben in den letzten Monaten ihre Existenzgrundlage verloren. Verzweifelt haben sie sich ans NEST gewandt. Daraufhin wurde ein Nothilfeprogramm ins Leben gerufen: Seit April fahren täglich Sozialarbeiter aus dem Projekt aufs Land, um die betroffenen Frauen mit Nahrungsmitteln zu versorgen – keine leichte Aufgabe, da viele Frauen weit entfernt wohnen! Aber es lohnt sich, diesen Frauen zu helfen, haben sie doch bereits bewiesen, dass sie es mit ein wenig Starthilfe schaffen, sich und ihre Kinder zu ernähren. Das Ernährungsprogramm wird das NEST daher solange weiterführen, bis diese Frauen erneut finanziell auf eigenen Beinen stehen. 

Neuer Rhythmus im NEST 
Es gibt aber auch gute Nachrichten: Alle Kinder und Angestellten im NEST sind wohlauf. Unsere z.T. sehr unterernährten Neuankömmlinge haben sich in den letzten Monaten prächtig entwickelt. Neu eingeführte Arbeitszeiten halten die Infektionsgefahr im Heim gering: Die Betreuer arbeiten nun drei Monate lang, ohne das Heim zu verlassen; danach haben sie vier Wochen frei. Bei der Rückkehr hal- ten sie eine Woche Quarantäne ein. In der Zeit arbeiten sie nicht, werden aber vom Projekt versorgt.

Schule im NEST – sichere Oase
Offiziell haben auch die NEST-Kinder schulfrei. Für manche Ältere konnte jedoch Online-Unterricht organisiert werden; alle übrigen nehmen am Unterricht der NEST-Schule teil. Ansonsten wird viel gebastelt, getanzt und gesungen – das NEST ist zu einer regelrechten Oase geworden! 

Wie geht’s weiter?
Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind noch nicht konkret abzusehen, aber eines ist sicher: Die Herausforderungen für das NEST sind deutlich gewachsen! Die drastisch gestiegene Armut, die vielen Teenagerschwangerschaften, das neu ins Leben gerufene Ernährungsprogramm und die strikten, aber notwendigen Quarantänemaßnahmen haben das Projekt bereits viel gekostet, und das wird wohl noch eine ganze Weile so bleiben. Gleichzeitig können viele karitative Veranstaltungen nicht stattfinden – ein Rückgang der Spenden ist zu befürchten.

Das NEST braucht unser aller Unterstützung! 
Die Corona-Pandemie hat die Not der Menschen in Kenia – vor allem der Frauen und Kinder – dramatisch verschärft. Wie Sie sehen, sind die Herausforderungen für das NEST immens gewachsen und wir danken allen Mitarbeiterinnen, die unter diesen schwierigen Bedingungen eine tolle Arbeit leisten!
Auch wenn wir das Benefizkonzert schweren Herzens absagen mussten setzen wir alles daran, das NEST-Projekt bestmöglich zu unterstützen. Nur so kann die Arbeit vor Ort auch in diesen herausfordernden Zeiten am Laufen gehalten werden.

 

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"Den Kindern gehört die Zukunft,
 aber nur wenn wir Ihnen auch
 eine Zukunft schenken!"

Heinrich M. Korte