Jahresrückblick 2021

 

Während bei uns Ende des Jahres die fünfte Welle anrollt, hat sich in Kenia die epidemiologische Lage in den letzten Wochen beruhigt. Doch auch wenn das Land langsam zur Normalität zurückkehrt – die Pandemie hat tiefe Spuren hinterlassen. Und mit der neu entdeckten Virusvariante «Omikron» könnten auch in Kenia schnell wieder Einschränkungen folgen.

Niedrige Löhne, hohe Inflation
Schon vor der Pandemie war Kenia hoch verschuldet, die Löhne sind kaum gestiegen. Bei einer Inflation von über fünf Prozent werden Essen und Alltagsgüter immer teurer – das spüren vor allem die Ärmeren im Land.

Bildungsdefizit durch Schulschließungen 
Pandemiebedingt waren die Schulen in Kenia fast ein Jahr lang geschlossen. Nur wenige Privatschulen konnten Online-Unterricht anbieten. Für die meisten Schüler fiel der Unterricht ersatzlos aus. Viele Kinder wurden zum Arbeiten aufs Land geschickt. Obwohl im Februar 2021 die Schulen wieder öffneten, kehrten einige von ihnen nicht dorthin zurück. Warum? Viele Jungen mussten weiterarbeiten, um die Familien zu unterstützen, manche Mädchen wurden ungewollt schwanger, einige Familien konnten sich die Schulgebühren nicht mehr leisten – für diese Kinder ist der Bildungsweg damit zu Ende!

 

Was uns 2021 im Nest bewegt hat …

Wenig Infektionen dank gutem Hygienemanagement 
Die meisten unserer Frauen und Kinder kommen aus den Slums – social distancing und Hygienemaßnahmen sind dort fast unmöglich. Über 40 Angestellte bedeuten ein tägliches Kommen und Gehen, Coronatests sind teuer und kaum zugänglich. Um das Infektionsrisiko im Heim zu minimieren, wurden die Arbeitszeiten angepasst: Die Hausmütter arbeiten nun drei Monate durchgehend und haben dann einen Monat frei. Die Wiederaufnahme der Arbeit ist nur nach negativem Coronatest und Quarantäne möglich. Das hat zwar unsere Alltagskosten in die Höhe getrieben, jedoch konnten so Corona-Infektionen im Projekt verhindert werden.

Homeschooling
Mit den Schulschließungen kamen alle Kinder aus den Internaten zurück ins NEST. Manche Schulen boten Homeschooling an, dafür musste das NEST jedoch neue PCs kaufen und WLAN installieren. Die lokalen Schulen boten kein Ersatzprogramm, so wurden die Kinder in der NEST-eigenen Schule unterrichtet. Dafür wurde eine weitere Lehrerin angestellt.

Weniger Kinder im Heim, weniger Neuaufnahmen
Aufgrund des Platzmangels im Heim musste die Anzahl der Kinder verringert werden. Pandemiebedingt wurden viele Gerichtsverfahren nicht abgeschlossen und auch der Reintegrationsprozess konnte nicht in die Wege geleitet werden. Dies führte dazu, dass wesentlich weniger Frauen und Kinder reintegriert werden konnten. Leider musste das NEST auch mehrfach Neuaufnahmen ablehnen. 

Ernährungsprogramm
Das 2020 installierte Ernährungsprogramm für unsere reintegrierten Frauen wurde auch 2021 fortgeführt. Regelmäßig brachten Mitarbeitende des NESTs Grundnahrungsmittel, Seife, Gesichtsmasken und Hygieneartikel zu in Not geratenen Familien. In Einzelfällen wurden auch Wohnungsmieten übernommen, wenn Obdachlosigkeit drohte. Durchschnittlich wurden 76 Familien im Rahmen dieses Programmes unterstützt.

Neuer Beratungsraum im Langata-Gefängnis
Ein weiterer Meilenstein: endlich wurde im Langata-Frauengefängnis ein Beratungsraum bereitgestellt! Das NEST hat jahrelange Überzeugungsarbeit bei der Gefängnisdirektion und den zuständigen Behörden geleistet. Der Raum bietet nun die nötige Privatsphäre, in der die Frauen mit den Sozialarbeiterinnen offen über ihre Probleme sprechen können.

Zuschuss für Rechtshilfeprogramm beantragt
Viele unserer inhaftierten Frauen sind Analphabetinnen; sie kennen weder ihre Rechte noch wissen sie, wie sie sich vor Gericht verhalten sollen. Das NEST hat daher bei den zuständigen Behörden beantragt, dass diesen Frauen eine juristische Beratung oder in Einzelfällen sogar Rechtshilfe zur Verfügung gestellt wird. Nun hat die zuständige Ministerin mündlich einen Förderbetrag für drei Jahre zugesagt – ein Hoffnungsschimmer!

(Dezember 2021)

 

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"Den Kindern gehört die Zukunft,
 aber nur wenn wir Ihnen auch
 eine Zukunft schenken!"

Heinrich M. Korte