Corona in Kenia: Das Virus macht krank – Armut tötet!

Viele kämpfen ums tägliche Überleben Händewaschen im NEST

„Wenn das Corona-Virus mich nicht umbringt, werde ich wohl vor Hunger sterben“, fürchtet Joseph Mwongela. Der 27-Jährige ist einer von tausenden Tagelöhnern, die täglich aus den Vororten in die Hauptstadt Nairobi pendeln auf der Suche nach Arbeit – doch seit einigen Wochen gibt es kaum noch Jobs. 

Seit Mitte März der erste Corona-Fall bestätigt wurde, hat Kenia schnell mit Verboten und Beschränkungen reagiert. Der Flugverkehr wurde durch massive Einreisebeschränkungen lahmgelegt, Schulen und Universitäten geschlossen, die Menschen aufgefordert, zuhause zu bleiben, häufig Hände zu waschen und Abstand zu halten. 

Hygienemaßnahmen einhalten? Leichter gesagt als getan

Doch wie soll das gehen? 60 Prozent der Bevölkerung Nairobis wohnt in Slums. Da wird schon die Sache mit dem Kontaktabstand zum Problem; vom regelmäßigen Händewaschen ganz zu schweigen, denn Wasseranschlüsse gibt es bestenfalls in den Gassen und die Hähne  dort bleiben häufig trocken. Das Wasser muss dann für vergleichsweise viel Geld von den Bewohnern gekauft werden. Desinfektionsmittel sind spätestens seit Bekanntwerden des ersten Corona-Falls für diese Menschen sowieso unerschwinglich geworden.

Wie gefährdet ist die Bevölkerung?

Wie sich das Corona-Virus auf die Gesundheit der kenianischen Bevölkerung auswirken wird, ist schwer abzusehen. Immerhin sind 60 Prozent der Kenianer jünger als 30 Jahre; sie zählen also primär nicht zur Risikogruppe. Viele von ihnen sind aber armutsbedingt häufig krank und damit wieder anfälliger für das Virus. Stand 22. April hat Kenia offiziell 303 bestätigte Covid-19-Fälle sowie 14 bestätigte Todesfälle. Über die Dunkelziffer kann nur spekuliert werden. Das Gesundheitssystem sei der Corona-Krise gewachsen, erklärte Gesundheitsminister Mutahi Kagwe im April. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn die Patientenzahlen steigen. Denn: Kenia verfügt insgesamt nur über rund 155 Intensivbetten – bei einer Bevölkerung von gut 50 Millionen Menschen (im Vergleich: Deutschland hat für 80 Millionen Einwohner insgesamt 40.000 Intensivbetten!).

Die grosse Katastrophe in Afrika? Vermutlich nicht Covid19

In Europa dominiert das Corona-Virus derzeit die Schlagzeilen. In Afrika dürften jedoch nicht das Virus selbst, sondern die Kollateralschäden die meisten Todesopfer verursachen. Denn aus Angst vor Covid19 wurden unter anderem auch lokale Gesundheitszentren geschlossen. Zudem ist der öffentliche Verkehr praktisch zum Erliegen gekommen. Doch bei einem mangelnden Ambulanzsystem ist gerade der „public transport“ für die Menschen die einzige Möglichkeit, um ins Krankenhaus zu kommen. 

Armut macht krank

Schon vor Covid19 war mehr als die Hälfte der Kinder in Kenia mangelernährt. Immer noch sterben weltweit täglich 1200 Menschen an Malaria, rund 90 Prozent davon in Afrika und in Indien – unter ihnen viele Kinder! Außerdem sind immunschwächende Krankheiten wie HIV und Tuberkulose vor allem unter der ärmeren Bevölkerung weit verbreitet und machen auch vor Jüngeren und Kindern nicht Halt. Epidemiologen erwarten, dass sich gerade diese Krankheiten unter den derzeitigen Lebensumständen drastisch ausbreiten könnten. 

Täglich ums Überleben kämpfen

Insgesamt ist die Sorge der meisten Kenianer ums tägliche Überleben viel grösser als die Angst um die eigene Gesundheit. Mehr als die Hälfte der Kenianer arbeitet im sogenannten „informellen Sektor“ – ohne soziale Absicherung. Doch das Arbeiten als Straßenverkäufer, im Transport- oder Gaststättengewerbe ist unter den rigiden Maßnahmen im Kampf gegen die Verbreitung des Corona-Virus praktisch zum Erliegen kommen. Die Tagelöhner und die Menschen in den Slums leben von Tag zu Tag – sie haben keine Reserven. Die Rechnung ist ganz einfach: An den Tagen, an denen sie nicht arbeiten können, bleiben sie hungrig. Das wirkt sich langfristig auch auf das Immunsystem aus. Wenn sie krank werden, haben sie kein Geld für einen Arztbesuch – ein Teufelskreis entsteht. 

Wie geht’s weiter?

Klar ist, dass in Kenia die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinanderklaffen wird; denn: nur die wenigen Reichen können es sich leisten, wochenlang nicht zu arbeiten und trotzdem noch genug zum Leben zu haben. Und sie können zum Arzt gehen, wenn sie krank sind. Klar ist auch: Der Großteil der Menschen in Kenia ist nicht nur vom Verlust ihrer Existenz, sondern damit direkt vom Hungertod bedroht.

 

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"Den Kindern gehört die Zukunft,
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Heinrich M. Korte