Jahresrückblick 2016

Viele unserer Frauen werden wegen Kindesmisshandlung verurteilt – so auch Virginia: Sie hatte sich mit ihrem Mann gestritten, weil er nichts zum Lebensunterhalt beisteuerte. Im Verlauf der Auseinandersetzung schlug er sie brutal zusammen.

Sie floh aus dem Haus und fand bei einer Freundin Unterschlupf. Als sie am Morgen zurückkam, wurde sie von der Polizei verhaftet, denn: ihr Mann hatte ihren gemeinsamen Sohn ausgesetzt und sie wegen Kindsvernachlässigung angezeigt!
Im Frauengefängnis vertraute sie sich unserer Sozialarbeiterin Lucy an. So konnte ihr Junge nach langem Suchen aufgefunden und ins NEST-Kinderheim gebracht werden. In der Hauptverhandlung erhielt Virginia die Chance, ihre Version des Vorfalls zu schildern. Daraufhin wurde sie auf Bewährung entlassen. Inzwischen steht sie finanziell auf eigenen Beinen und kann durch einen kleinen Verkaufstand, welchen sie zusammen mit dem Halfway-Haus aufbaute, den Lebensunterhalt für sich und ihren Sohn verdienen.

 

Was hat sich 2016 sonst noch ereignet?

Die Säuglingsstation war mit knapp 30 Kindern wieder bis auf den letzten Platz belegt. Viele unserer Kleinsten wurden ausgesetzt und waren bei der Aufnahme unterernährt und krank. Dank der guten Ausstattung unserer Säuglingsstation und ihrer geübten Hausmütter konnten wir aber die meisten Babys – manche waren nur 1500 g schwer! – ohne ärztliche Hilfe durchbringen.

Im Halfway-Haus wohnten bis zu 16 Mütter mit ihren Kindern. Neben persönlichen Beratungsgesprächen erhielten sie Unterricht in Sozialkunde, Kinderpflege, Grundlagen der Buchführung und erlernten ein einfaches Handwerk. Großer Beliebtheit erfreute sich unser kleiner Friseursalon und die Nähklasse. Darüber hinaus haben unsere Sozialarbeiterinnen rund 200 Frauen im Gefängnis betreut und 110 Frauen mit ihren Kindern bei der Reintegration begleitet.
 

Während unserer Projektreise im Februar 2016 haben wir wieder alle 100 Kinder im Kinderheim medizinisch untersucht. Durch die regelmäßigen Besuche in den letzten Jahren konnten wir viel bewegen: Für alle Kinder gibt es nun Krankenakten, in denen alles genau dokumentiert wird. Insbesondere die von uns durchgeführten medizinischen Fortbildungen für Hausmütter und Krankenschwestern hatten Erfolg: die Kinder sind inzwischen insgesamt gesünder und die Arztkosten deutlich zurückgegangen.


Was ist für 2017 geplant?

Im nächsten Jahr gibt es ein Jubiläum zu feiern: Die Polarlysstiftung unterstützt das Projekt schon seit zehn Jahren! Dies nehmen wir zum Anlass, um in einer Benefizveranstaltung am 04.11.2017 in der Lutherkirche in Nürtingen die Projektentwicklung zu reflektieren. Wie gewohnt werden hochkarätige Musiker die Veranstaltung musikalisch umrahmen.

All das können wir nur tun, weil Sie uns so zuverlässig unterstützen! Vor allem die Frauen und Kinder in unserem Projekt, aber auch wir von der Polarlysstiftung sagen dafür von ganzem Herzen: Dankeschön!

Eure

Dr. Bettina Eschler                                      

 

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"Den Kindern gehört die Zukunft,
 aber nur wenn wir Ihnen auch
 eine Zukunft schenken!"

Heinrich M. Korte