Opfer der Armut

Opfer der Armut Opfer der Armut Opfer der Armut

(Mai 2014)

Als wir die Säuglingsstation in Nairobi betreten, herrscht Geschrei und Trubel: Scheinbar haben alle 20 Babys gleichzeitig Hunger! Schwestern und Helferinnen kümmern sich um die Kleinsten.

Manche der zwischen vier Wochen und einigen Monaten alten Babys liegen in kleinen Babywippen, andere werden herumgetragen, gewogen, gefüttert oder gewickelt. Ein paar schlafen im Babybettchen in abgetrennten Zimmern. Die hierher gebrachten Babys sind Opfer der Armut der kenianischen Gesellschaft. Im Slum in den Graben geworfen, im Krankenhaus nach der Geburt zurückgelassen oder dem Projekt vor die Tür gelegt – von verzweifelten Müttern, die nicht wissen, wie sie genug Essen bekommen sollen für sich und ihre übrigen Kinder, die vom Ehemann verlassen oder geschlagen werden und sich nicht anders zu helfen wissen. Manche sind unterernährt, in ihrer Entwicklung verzögert oder bereits jetzt schwerkrank.

Neueröffnung der Säuglingsstation

Bis vor einigen Monaten waren die Neugeborenen auch im Nest-Kinderheim untergebracht. Da es immer mehr wurden, war An- bzw. Neubau angesagt. 2011 wurde mit dem Bau begonnen. Am 29.04.2014 wurde die neue Säuglingsstation dann bei einer großen Feier offiziell eingeweiht.

Die Babys werden hier versorgt und später zur Adoption freigegeben. Praktisch: auf dem Gelände hat auch eine Kinderärztin ihre Praxis. Bei Notfällen nimmt sie sich der Kinder an. Trotzdem werden die Babys von Bettina und Tom während unseres Besuchs untersucht und die Schwestern und Hausmamas, die dort helfen, über ihren Gesundheitszustand informiert, in einfacher Babyhygiene und Pflegemaßnahmen geschult.

Catharina, eine der beiden Krankenschwestern, die in der neuen Säuglingsstation arbeiten erzählt begeistert, wie sehr sich die Bedingungen für die Babys seit dem Umzug verbessert haben. Früher waren bis zu 20 Kinder in einem Zimmer untergebracht - Krankheiten haben sich rasch ausgebreitet. Jetzt gibt es 6 verschiedene Zimmer, davon eines in dem schwer kranken isoliert werden können. Seitdem sind Arzt- und Krankenhausbesuche seltener geworden. Die Herausforderungen sind gross: viele der Babys sind abwehrgeschwächt und unterernährt. Das Kleinste wiegt gerade mal 1500g. 

Perspektive Adoption

Man hört Kinderlachen und Sprachwirrwarr – ein Bobbycar kommt scheppernd um die Ecke gerauscht und bremst kurz vor Amandas Füßen. „Hi, I’m Henry!“, grinst der kleine Knirps sie an. Etwas später kommt sein holländischer Bald-Papa und nimmt ihn und sein Rennauto lachend mit zurück. Auf dem Gelände gibt es inzwischen einige sogenannte Adoptionshäuschen. Kleine Ferienwohnungen, in denen die Paare wohnen können, während die Adoptionsformalitäten geklärt werden – das kann durchaus einige Monate dauern. In dieser Zeit leben die zukünftigen Eltern bereits mit ihren bald eigenen Kindern zusammen und können sich aneinander gewöhnen. „Bye!“, winkt er uns zu. Vielleicht wird auch er bald in Europa sein …

Carola Pröbstle

 

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"Den Kindern gehört die Zukunft,
 aber nur wenn wir Ihnen auch
 eine Zukunft schenken!"

Heinrich M. Korte